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Kuba



Am 8. Mai 2012 erreichen wir auf der Zero die Bay von Santiago de Cuba. Es ist Sonntag. Die Immigrationsbehörden haben frei. Wir dürfen nicht in die Marina und nicht an Land und verbringen einen ganzen Tag vor Anker in der Bucht. Auf dem Strand winken uns lachende Menschen zu und Musik schallt von der Strandbar hinüber. Am nächsten Tag heisst es nochmals warten, unser Boot wird von den verschiedensten Behörden gefilzt:Veterinärmediziner, Schnüffelhunde… alle sehr freundlich – doch Gesetz ist Gesetz – der Dockmaster meint hierzu grinsend: “don’t worry be happy – just a lot of paperwork that’s all.” Am Abend können wir endlich an Land – und ich tauche ein in eine andere Welt!

Voller Vorfreude verlasse ich nach ein paar Tagen Boot und Crew und mache mich allein auf ins Abenteuer Cuba!
4 weitere Tage verbringe ich in der Region Santiago – treffe erste Freunde, geniesse sagenhafte Natur …



Per “Camion”, einem mit Menschen vollgequetschter Lastwagen, der eher einem Gefangenentransport ähnelt, fahren Marlberry und ich für ein paar cubanische Pesos bis in den nächsten Ort Bayamo.

Von hier geht es nun richtig los. Auf der Carretera Central radel ich durch Felder, Dörfer und die Städte Camaguel, Ciego de Avila, Santispiritus, Trinidad, Cienfuegos.

Obwohl die Strasse– nach der Autopista (welche im Endefekt auch nur eine mehrspurige Strasse ist und ebenso per Fahrrad befahren warden darf !)– ist die Carretera Central die Hauptverbindungsstrasse. Allerdings gehöre ich auf Marlberry hier erstmals zu den wohl schnellsten Verkehrsteilnehmern. ;)
Abgesehen von vereinzelten Lastwägen, Camiones oder Touristen-Reisebussen dominieren hier Radfahrer*innen, Pferdekutschen, Ochsenkarren und Fussgänger*innen die Strasse.

Bisher die wohl chilligste Fahrradstrecke auf meiner Reise!



Nasser Teer, – eine purzelnde Radfrau – und schon ist Bärbel hautfarblich eine richtige Cubanerin! Ich muss darüber ebenso lachen wie meine 2 Kumpanen. Schnell wird eine Flasche herangeschleppt und ehe ich mich versehe werde ich von Oben bis unten mit Diesel abgewaschen?? .. ein Geruch der mich noch Monate später zum Schmunzeln bringt wann immer ich mein Lieblings T-shirt überziehe ; ) – gewaschen.

Nach einem langen Radeltag bade ich in einem Fluss bei Boniato…und koche Yuka, Platanitos, Reis und Bohnen ; ) gibt es was Schöneres!?

La bicicleta. Eines der wichtigsten Transportmittel von Dorf zu Dorf. Wer eines hat ist froh. Wer es zu reparieren Weiss ist clever. Wer Ersatzteile besitzt ist Koenig*in.


In einer typischen “Ponchera” – eine kleine Fahrradsevicestation, wo auf professionellste Weise Platte Reifen mit heissem Bügeleisen und flüssigem Gummi geflickt warden. Untypisch: diese Ponchera wird von einer Frau betrieben! Klar mache ich hier Halt.

Guarapo!! Das – neben Kokosnussmilch – wohl beste Getränk auf Erden! In dieser Presse werden Zuckerrohrstangen ausgequetscht. Der frische Saft ist jedoch alles andere als lediglich “Zuckersaft”! das einzigartige “refresco” wird auf gecrashtem Eis in jedem kleinem Dorf am Strassenrand fuer 1 peso cubano (3Eurocent!) serviert.

La Hospitaliadad. Wo ich bin öffnen mir Menschen ihre Häuser, Gärten…und Herzen.
Ein Geschenk das es nicht zu kaufen gibt. Ein Wert, der mit keinem Geld gemessen warden kann. Begegnungen, die diese Reise kostbar machen.


Samstagmarkt in Jaimanitas


Aus buntem Recyclematerial eingebundene “libretas”. In diesen kleinen Büchlein steht die Menge der Grundnahrungsmittel, welche die jeweilige Familie in den lokalen Geschäften – “Bodegas” zu einem auesserst reduzierten Preis beziehen kann.


Bohnen. Wichtigste Zutat jedes cubanischen Gerichtes. Die restlichen Schotenteile werden nach der Ernte mittels “Hand-Ventilator” ausgeblassen.

La revolucion es…
Kaum Produktwerbung, dafür Bilder und Texte der “Heroes” und Parteimitglieder, Fidel und seine Gefährten.


“agricultura urbana” – in Kuba nichts Aussergewöhnliches!
Chemiefreie Kräuter und Gemüse von und für die Bewohner*innen der Stadt.


Ein kollektiv betriebener Garten in Camaguel.


Ein Jugendgartenprojekt in Havana


Obst- und Gemüsestände am Strassenrand.


Mittagessen am Hobo-Ofen – direkt neben der Landstrasse ; )



Arbeiten am Feld


Havana

Auf meinem Weg nach Santa Klara wird mir dann der Einkauf bei einem Fruchtstand zum Verhängnis. In einem unachtsamen Moment werden mir Gelbörse plus allem Geld und Pass gestohlen. Haarscharf und mit vereinten Kräften der österreichischen Botschaft in Kuba und Unterstützung von Zuhause entkomme ich nach 1 ½ Tagen in Gewahrsam der Immigrationsbehörden einer drohenden Ausweisung per Flugzeug zurück nach Österreich und bin mit ‘Emergency Pass’ wieder auf freiem Fuss. Nach dieser harten Probe, erstmaligen Gefühlen von Einsamkeit und Zweifel und einem beiweiten länger als gewollten Aufenthalt in Havanna, schafft ich das Verrückte!! – ich bekomme tatsächlich ein Visum für die USA! Hier in Cuba! – danke allen lieben Menschen die mich in der Marina Hemingway auf ihren Booten beherbergt, verköstigt und aufgemuntert haben!



Für diese legendäre Yachtclubparty ”20 Jahre Marina Hemngway Havanna” hab ich das Styling meiner guyanischen Freundin Katina über mich ergehen lassen. Die englische Lady Jeniffer hat mir ihr Badekleid geliehen…und Schuhe mussten mir auch geborgt werden. Tja und so war ich dann eine richtige Dame – glücklicherweise nur für einen Abend! Links von mir mir mein englischer Kapitän…und Freunde aus der Marina.

Schliesslich finde ich auch einen Kapitän. Ein Engländer, der mich auf seinem Segelboot “Carina” nach Key West Florida mitnimmt.

 

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